LBV: BAYERN braucht dringend besseren HOCHWASSERSCHUTZ

Konsequentes Umdenken überfällig: Wasser nicht ableiten, sondern in der Fläche halten – Bayerns Bäche renaturiere

Hilpoltstein, 22.01.2024

Das Winterhochwasser in weiten Teilen Deutschlands hat erneut gezeigt, welche dramatische Folgen Starkwetterereignisse haben. Da in der Klimakrise über Tage andauernde Regenfälle immer häufiger auftreten werden, muss sich auch Bayern gegen Hochwasser wappnen. Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) fordert deshalb von der bayerischen Staatsregierung ein bewusstes Umdenken, um mehr Wasser in den Flächen zu halten. „Die Hochwasserproblematik in Bayern hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verschärft. Doch der Freistaat setzt vorrangig auf technische Lösungen, wie den Bau von Poldern. Natürlicher Hochwasserschutz wird dagegen viel zu wenig in Betracht gezogen“, kritisiert der LBV-Geschäftsführer Helmut Beran. „Schon seit langem fordert der LBV, mindestens 10.000 Kilometer der bayerischen Bäche bis 2028 zu renaturieren. Das ist nicht nur aktive Hochwasservorsorge, sondern fördert die biologische Vielfalt und ist eine effektive Maßnahme gegen die zunehmende Trockenheit.“

Die Hochwasser-Problemlage aus Sicht des LBV: Der massive Ausbau und die umfassenden Begradigungen von Flüssen und Bächen lässt das Wasser zu schnell abfließen. Feuchtwiesen, Auen und Moore als natürliche Wasserspeicher wurden großflächig entwässert. Und die ungebremste Versiegelung von Flächen im Straßenbau und in neuen Bau- und Gewerbegebieten verhindert, dass Regenwasser im Boden versickern kann. Die aktuellen Zahlen des Statistischen Landesamtes zeigen eine deutliche Zunahme des Flächenverbrauchs.

„Wirkungsvollste Maßnahmen im Hochwasserschutz sind die Wiedervernässung von trockengelegten Feuchtwiesen und Mooren. Diese sind unterschätze Klimaschützer, weil sie im natürlichen Zustand große Mengen an Kohlenstoff speichern“, so Beran. Gleichzeitig leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt. Gefährdete Arten wie Bekassine, Sonnentau und Torfmoose kommen nur intakten Mooren vor. „Wenn Bayern das Klima und somit unsere Zukunft ernsthaft schützen will, kann es nicht sein, dass im Rahmen landwirtschaftlicher Intensivierung immer noch Moore trockengelegt und Feuchtwiesen mit Drainagen entwässert werden“, betont Helmut Beran.

Natürliche Bäche: Politik muss Kommunen besser unterstützen

In Zeiten von zunehmender Trockenheit und Wasserknappheit muss Bayern aus Sicht des LBV auf natürliche Bäche setzen. „Dynamische Flüsse mit angrenzenden Auen als natürliche Überflutungsgebiete bewahren das Wasser viel länger in der Fläche als begradigte Bäche“, so Beran. Für Bayerns Bäche sind die Kommunen verantwortlich, die sich dabei aus Erfahrung des LBV oft allein gelassen fühlen. „Um die dringend notwendige Aufklärungsarbeit und die Beratung der Kommunen sicherzustellen, wird mehr Personal in den zuständigen Behörden benötigt. Auch muss die Beantragung von Fördermitteln für die Umsetzung der Maßnahmen vereinfacht werden“, fordert der LBV-Geschäftsführer.

Bayern verfehlt EU-Richtlinie

Stand jetzt wird Bayern seine gesetzlichen Verpflichtungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie deutlich verfehlen. Der Freistaat muss daher ohnehin seine Anstrengungen für die Qualität der Gewässer deutlich erhöhen. „Die Bayerischen Bäche endlich großflächig zu renaturieren und damit Klima-, Hochwasser- und Artenschutz gleichzeitig zu sichern, sollte für die Staatsregierung ein absolutes Selbstverständnis sein“, so Helmut Beran.

 

Bildquelle: LBV/Marcus Bosch

 

 

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